In dieser Episode erklärt Prof. Christoph Tripp, warum die wachsende Convenience-Orientierung von Kunden und Unternehmen die Logistik immer komplexer macht – und warum genau diese Bequemlichkeit zunehmend Margen vernichtet.

Steigende Anforderungen, höhere Kosten und stagnierende Zahlungsbereitschaft führen dazu, dass der Logistikkostenanteil im Handel weiter wächst.

Gleichzeitig zeigt Tripp einen überraschenden Gegentrend: Bewusste Entschleunigung könnte ein effizienter Gamechanger werden.

Bequemlichkeit steigert Logistik-Komplexität – und frisst Margen

In der heutigen Adventskalender-Folge analysiert Prof. Christoph Tripp eine Entwicklung, die die Logistikbranche nachhaltig prägen wird: Die steigenden Erwartungen von Konsumenten und Geschäftskunden erhöhen die Logistik-Komplexität weiter – während gleichzeitig kaum jemand bereit ist, für diese zusätzlichen Leistungen zu bezahlen. Tripp fasst es klar zusammen:

Der Logistikkostenanteil im Handel wird mittelfristig weiter ansteigen.

Der Grund dafür liegt in der zunehmenden Convenience-Orientierung. Kunden erwarten schnelle Lieferungen, flexible Optionen, mehr Services und maximale Individualisierung. Diese Erwartungen erweitern das operative Spektrum und erhöhen Aufwand, Variantenvielfalt und Prozesslast. Tripp beschreibt:

Die Anforderungen an Geschwindigkeit, Flexibilität und individuellen Lieferservices steigen weiter und erhöhen die Komplexität der Logistikabwicklung.

Hinzu kommt ein zweiter Druckfaktor: Die Kostenbasis steigt. Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz sind notwendig, aber teuer. Gleichzeitig erhöhen sich die Preise für Personal, Energie und Transport kontinuierlich. Tripp bringt es prägnant auf den Punkt:

Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz sowie weitere Kostensteigerung von Basisfaktoren … führen zu höheren Logistikkosten.

Das Problem: Die Zahlungsbereitschaft stagniert. Endkunden und Unternehmen erwarten immer mehr Leistung zum gleichen Preis. Die Folge ist ein massiver Margendruck im Handel und ein kontinuierlich sinkender Deckungsbeitrag für Logistikprozesse. Tripp formuliert es eindringlich:

Die Zahlungsbereitschaft für Lieferservices stagniert, sodass der Druck auf Margen und Effizienz weiter ansteigt.

Doch die Episode endet nicht mit einer düsteren Perspektive, sondern mit einem überraschenden Ansatz: Bewusste Entschleunigung. Tripp sieht darin einen möglichen Gegentrend, der 2026 an Bedeutung gewinnen könnte.

Die bewusste Entschleunigung von Logistikprozessen könnte einen signifikanten Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten.

Weniger Varianten, klarere Prioritäten, längere Vorlaufzeiten und stabilere Abläufe können helfen, Komplexität und Kosten zu reduzieren.

Damit wird deutlich: Bequemlichkeit treibt die Komplexität nach oben – aber Unternehmen müssen entscheiden, wie viel davon sie wirklich liefern wollen. Effizienz entsteht nicht nur durch mehr Geschwindigkeit, sondern manchmal auch durch weniger.

Unser Gast: Prof. Christoph Tripp

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