325-Logistik-braucht-Menschen-Stefan-Franke
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Künstliche Intelligenz ist das Buzzword der letzten Jahre – auch in der Logistik. Doch was bleibt vom Hype, wenn man ihn durch die Brille eines Unternehmers mit 23 Jahren Logistikerfahrung betrachtet?

In dieser Folge sprechen wir mit Stefan Franke von Wemalo über echte Anwendungsfälle, operative Realität und wirtschaftliche Vernunft. Wir diskutieren, wo KI tatsächlich Mehrwert schafft – und wo sie vor allem Marketing ist. Dabei wird klar: Logistik braucht weiterhin Menschen, aber sie braucht auch digitale Exzellenz. Eine ehrliche, praxisnahe Einordnung zwischen Robotik, Administration und Wettbewerbsfähigkeit bis 2029.

KI im operativen Lager? Nur bedingt sinnvoll.
Für 80 % der heterogenen Logistikbetriebe mit wechselnden Kunden, Prozessen und Sortimenten bringt KI im Kerngeschäft kaum wirtschaftlichen Vorteil. Produktionslogistik mit standardisierten Prozessen profitiert – klassische Fulfillment-Logistiker dagegen deutlich weniger.

Größtes Potenzial: Administration, Support, Vertrieb & Finanzen.
KI kann im Backoffice 10–20 % Effizienz heben – etwa durch automatisierte Buchhaltung, KI-gestützten Kundensupport, smarte Kommunikation oder datenbasierte Vertriebsanalysen. Hier liegt der echte Hebel für mittelständische Logistiker.

Wettbewerbsvorteil bis 2029: Geschwindigkeit & digitale Anschlussfähigkeit.
Logistiker müssen in der Lage sein, Kunden innerhalb eines Tages systemisch anzubinden. API-Verständnis, Datenkompetenz und flexible IT-Strukturen werden zur Kernkompetenz – nicht mehr nur Wareneingang und Lagerfläche.

Diese Folge liefert keine KI-Euphorie, sondern eine wirtschaftlich fundierte Perspektive. Wer 2029 noch relevant sein will, muss digital denken – aber operativ realistisch bleiben. Und vor allem verstehen, wo KI wirklich Geld verdient – und wo nicht.

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Shownotes zur Episode „Logistik braucht Menschen“ mit Stefan Franke

Stefan Franke bei LinkedIn

Webseite von Wemalo

Stefans Impuls: „Sorge dich nicht. Lebe“ von Dale Carnegie

Warum der Faktor Mensch entscheidend bleibt – mit Einschätzungen von Stefan Franke

Künstliche Intelligenz ist in der Logistik allgegenwärtig. Auf Messen, in Sales-Pitches und in nahezu jedem Software-Deck prangt das Label „AI-powered“. Doch was bleibt vom Hype, wenn man ihn durch die Brille eines Unternehmers mit über 20 Jahren Logistikerfahrung betrachtet?

Im Gespräch mit Stefan Franke, Gründer von Wemalo und ehemaliger Logistikunternehmer mit mehreren Standorten, wird schnell klar: Der Faktor Mensch bleibt zentral – und KI ist kein magisches Heilmittel für operative Probleme.

Dieser Beitrag ordnet die Aussagen von Stefan Franke ein und zeigt, wo KI in der Logistik wirklich wirkt – und wo nicht.

Stefan Franke: 23 Jahre Logistik zwischen Faxgerät und KI

Stefan Franke beschreibt seinen Weg vom klassischen Lagerbetrieb mit 800 Quadratmetern, Faxgerät und Excel-Listen bis hin zur eigenen Softwareentwicklung. Seine Perspektive ist geprägt von operativer Realität – nicht von Theorie.

Ein zentrales Zitat aus dem Podcast bringt seine Haltung auf den Punkt:

„Mir hat noch keiner beweisen können, dass es eine KI gibt, die mir als Logistiker jetzt hilft, mehr Geld zu verdienen.“

Das ist keine technikfeindliche Aussage. Im Gegenteil: Franke investiert selbst massiv in Software und digitale Prozesse. Aber er trennt klar zwischen Marketingversprechen und betriebswirtschaftlicher Realität.

KI im Lager: Warum der Faktor Mensch unverzichtbar bleibt

Wenn über KI in der Logistik gesprochen wird, geht es häufig um:

  • autonome Roboter
  • vollautomatische Lagersysteme
  • KI-optimierte Laufwege
  • Container-Pack-Algorithmen

Doch laut Stefan Franke betrifft das nur einen kleinen Teil des Marktes – vor allem hochstandardisierte Produktionslogistik mit wenigen Kunden und stabilen Prozessen.

Für die Mehrheit der mittelständischen Logistiker gilt etwas anderes:

  • heterogene Kundenstrukturen
  • wechselnde Anforderungen
  • kurzfristige Peaks
  • viele manuelle Prozesse

Hier ist der Faktor Mensch weiterhin entscheidend.

Franke formuliert es klar:

„Logistik braucht den Menschen. In der operativen Logistik brauchst du den Menschen.“

Gerade in Lagern mit 10.000 Quadratmetern und 20 unterschiedlichen Kunden ist Flexibilität wichtiger als Vollautomatisierung. Wer sich hier durch starre Robotik einschränkt, verliert unter Umständen mehr Geschäft, als er gewinnt.

Der größte KI-Hebel liegt nicht im Lager – sondern im Backoffice

Wo sieht Stefan Franke dann echtes Potenzial?

Nicht im Wareneingang.
Nicht im Pickprozess.
Nicht im Container.

Sondern in:

  • Administration
  • Buchhaltung
  • Support
  • Kommunikation
  • Vertrieb

Er sagt deutlich:

„Gerade Administration, Support, Marketing, Vertrieb, Finanzen – 100 Prozent auf KI setzen als Logistiker.“

Warum?

Weil hier standardisierte Regeln greifen:

  • Steuerrecht
  • Buchungslogiken
  • wiederkehrende Kundenfragen
  • strukturierte Kommunikationsmuster

Das sind ideale Anwendungsfälle für KI.

Ein Beispiel: Kunden fragen ständig „Wo ist mein Paket?“. Statt Callcenter-Personal kann ein KI-gestütztes System Sendungsdaten auslesen und automatisiert beantworten.

Hier wird der Faktor Mensch nicht ersetzt – sondern entlastet. Menschen kümmern sich um komplexe Fälle. KI übernimmt Standardanfragen.

Faktor Mensch vs. KI: Qualifikation im Wandel

Ein spannender Punkt aus dem Gespräch betrifft die Mitarbeiterqualifikation im Lager.

Franke beobachtet:

„Von der Qualifikation her brauchst du heute in Standardprozessen weniger Qualifikation als früher.“

Früher hing vieles vom Erfahrungswissen einzelner Mitarbeiter ab. Heute verhindern Systeme Fehler durch klare Prozessführung.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch an Bedeutung verliert. Vielmehr verschiebt sich die Rolle:

  • weniger improvisieren
  • mehr systemgestützt arbeiten
  • mehr Verantwortung für Ausnahmefälle

Der Faktor Mensch bleibt – aber in veränderter Form.

Warum viele KI-Projekte an der Realität scheitern

Besonders kritisch äußert sich Stefan Franke zu Container-Optimierung und Robotik-Hypes.

Er beschreibt ein Beispiel aus der Praxis, bei dem ein großes Handelsunternehmen mit einer KI-Lösung Container effizienter packen wollte. Das Problem:

  • Der Lieferant hatte keinen Anreiz mitzumachen.
  • Der Mehraufwand wurde nicht bezahlt.
  • Der wirtschaftliche Vorteil war minimal.

Seine klare Analyse:

„Es muss irgendeiner oder alle am besten immer einen wirtschaftlichen Vorteil haben, sonst macht das keinen Sinn.“

Hier wird deutlich: KI ohne Geschäftsmodell ist Spielerei.
Und ohne Berücksichtigung des Faktor Mensch – also Motivation, Anreizstruktur, operative Realität – funktionieren selbst technisch perfekte Lösungen nicht.

2029: Was Logistiker jetzt tun müssen

Ein zentraler Gedanke von Stefan Franke ist Geschwindigkeit. Er prognostiziert:

  • Kunden erwarten in wenigen Jahren die sofortige digitale Anbindung
  • Projektlaufzeiten von Monaten werden nicht mehr akzeptiert
  • IT-Kompetenz wird zur Kernanforderung

Sein Rat an Logistiker:

  • API-Verständnis aufbauen
  • Schnittstellenkompetenz entwickeln
  • Daten verstehen
  • digital anschlussfähig werden

Er formuliert es sinngemäß so:

„Der Standort muss so fit sein, dass du einen Kunden innerhalb von einem Tag aufnehmen kannst.“

Das ist kein KI-Thema im engeren Sinne – sondern ein Digitalisierungsthema.
Und wieder steht der Faktor Mensch im Zentrum: Unternehmer müssen die Sprache der IT verstehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Robotik als Hype? Stefan Franke warnt vor vorschnellen Investitionen

Auf die Frage nach Hype-Themen nennt Franke klar die aktuelle Robotik-Welle.

Seine Einschätzung:

  • In der Vollkostenrechnung rechnet sich vieles nicht.
  • Förderungen verzerren das Bild.
  • Flexibilität geht verloren.

„Ich habe noch nicht gesehen, dass jemand das wirtschaftlich betreiben kann – außer vielleicht Amazon.“

Für 80 % der Logistiker mit heterogener Kundenstruktur empfiehlt er Zurückhaltung.
Der Faktor Mensch bietet hier oft mehr Flexibilität als starre Systeme.

Fazit: KI braucht den Faktor Mensch – nicht umgekehrt

Das Gespräch mit Stefan Franke zeigt:

  • KI ist kein Ersatz für unternehmerisches Denken.
  • KI ist kein Ersatz für operative Erfahrung.
  • KI ist kein Ersatz für den Faktor Mensch.

Aber:

  • KI ist ein massiver Effizienzhebel im administrativen Bereich.
  • KI kann Personalkosten im Backoffice senken.
  • KI steigert Geschwindigkeit und Kundenzufriedenheit.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Brauchen wir KI im Lager?“

Sondern: „Wo schafft KI messbaren wirtschaftlichen Mehrwert – und wo nicht?“

Stefan Franke liefert eine klare Orientierung: Operativ bleibt der Faktor Mensch dominant. Strategisch und administrativ wird KI zum Wettbewerbsvorteil.

Und genau diese Differenzierung entscheidet darüber, wer 2029 noch am Markt ist – und wer nur einem Hype hinterhergelaufen ist.

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