2026 ist kein normales Logistikjahr
2026 ist kein normales Logistikjahr

Warum sich Kosten, Daten, Technologie, Verkehr und Regulierung neu verzahnen

2026 markiert keinen einzelnen Einschnitt – sondern einen strukturellen Wandel in der Logistik.
In dieser Episode ordnen wir ein, warum sich die Spielregeln ändern und weshalb Logistik ab 2026 anders funktioniert, ohne sie besser oder schlechter zu bewerten.

Statt Einzelmaßnahmen oder Alarmismus geht es um das Zusammenspiel von 13 konkreten Änderungen, eingeordnet in fünf Ebenen, die gemeinsam eine neue Logik für Lager, Transport und Supply Chains entstehen lassen.

Darum geht es in der Folge:

🔹 Ebene 1 – Kostenlogik
Warum Kosten ab 2026 nicht mehr nur von Strecke und Zeit abhängen, sondern zunehmend von Eigenschaften wie CO₂-Intensität, Emissionsklassen, Verpackungsvorgaben und Arbeitskosten.
Beispiele: Mindestlohn 2026, CO₂-basierte Lkw-Maut, CBAM, PPWR.

🔹 Ebene 2 – Logistik als Nachweis-System
Warum Logistik nicht mehr nur durchgeführt, sondern belegt werden muss – und welche Rolle CBAM, EUDR, CSRD, Verpackungsnachweise und strukturierte Transportdaten dabei spielen.

🔹 Ebene 3 – Technologie wird Infrastruktur
Wie der EU AI Act, der EU Data Act und eFTI dazu führen, dass IT-Systeme nicht länger optional sind, sondern Voraussetzung für regelkonforme Logistik.

🔹 Ebene 4 – Verkehr & Netzwerke
Warum Bewegung wieder komplexer wird: neue Grenzprozesse (EES), neue Tachograph-Pflichten, CO₂-abhängige Mautsysteme und veränderte Fahrprofile in der Seefracht durch IMO-Regeln.

🔹 Ebene 5 – Logistik wird strukturell strategisch
Wie sich aus all dem eine neue Rolle der Logistik ergibt – nicht als Bewertung, sondern als sachliche Folge regulatorischer, technologischer und wirtschaftlicher Anforderungen.

2026 ist kein Jahr einzelner Gesetze. Es ist das Jahr, in dem sich Kosten, Daten, Technologie, Verkehr und Regulierung neu miteinander verzahnen. Das ist kein Alarmismus. Und keine Wertung.

Es ist eine Einordnung dessen, wie Logistik künftig funktioniert.

Warum 2026 kein normales Logistikjahr wird

2026 ist kein Jahr, in dem ein einzelnes Gesetz alles verändert. Es ist auch kein Ausnahmezustand und kein Krisenszenario. Vielmehr markiert 2026 den Punkt, an dem sich mehrere Entwicklungen gleichzeitig stabilisieren – und damit die Logik verändern, nach der Logistik funktioniert.

Dieser Artikel ordnet ein, warum man 2026 als Systemwechsel in der Logistik verstehen kann. Nicht wertend, nicht alarmistisch, sondern sachlich und praxisnah. Grundlage sind 13 konkrete Änderungen, die sich in fünf Ebenen einordnen lassen.

Ebene 1: Die Kostenlogik verändert sich

Lange Zeit war die Kostenstruktur in der Logistik vergleichsweise klar: Strecke, Zeit, Personal und Energie bestimmten den Preis. Ab 2026 wird diese Logik erweitert.

Ein zentrales Beispiel ist der Mindestlohn. Ab dem 1. Januar 2026 steigt er in Deutschland auf 13,90 Euro pro Stunde. Die Logistik ist davon besonders betroffen, da sie überdurchschnittlich viele gewerbliche Tätigkeiten und Einstiegsjobs beschäftigt – etwa im Lager, im Umschlag oder in der letzten Meile.

Hinzu kommt die CO₂-basierte Lkw-Maut, deren Emissionskomponente bereits eingeführt ist und 2026 voll wirkt. Damit hängen Transportkosten nicht mehr nur von Strecke und Gewicht ab, sondern zunehmend von der Emissionsklasse des eingesetzten Fahrzeugs.

Weitere Kosteneffekte ergeben sich durch die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die ab August 2026 neue Anforderungen an Verpackungsmaterialien und Recyclingfähigkeit stellt, sowie durch den CO₂-Grenzausgleich CBAM. CBAM geht ab dem 1. Januar 2026 in seine zahlungswirksame Phase über. Für CO₂-intensive Waren wie Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Strom und Wasserstoff müssen beim Import in die EU CO₂-Zertifikate erworben werden. Für Logistiker wirkt CBAM weniger als direkter Kostenfaktor, sondern als zusätzlicher Daten- und Prozessschritt im Import- und Zollablauf.

Das Ergebnis: Zwei logistisch identische Leistungen können ab 2026 unterschiedliche Kosten verursachen – weil ihre Eigenschaften unterschiedlich sind.

Ebene 2: Logistik wird ein Nachweis-System

Neben der Kostenlogik verändert sich auch der Charakter der logistischen Leistung selbst. Es reicht zunehmend nicht mehr aus, Logistik zuverlässig durchzuführen – sie muss belegt und nachgewiesen werden.

CBAM erfordert Emissionsdaten entlang der Lieferkette. Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die ab dem 30. Juni 2026 auch für kleine und mittlere Unternehmen gilt, verlangt den Nachweis, dass bestimmte Rohstoffe wie Kaffee, Kakao, Holz oder Soja entwaldungsfrei produziert wurden.

Auch die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) wirkt hier weiter. Zwar wurde die erstmalige Anwendung für viele Unternehmen zeitlich verschoben, der Bedarf an Scope-3-Daten bleibt jedoch bestehen. Damit werden Informationen aus Transport- und Logistikketten dauerhaft nachgefragt. Für Logistiker bedeutet das keine eigene Berichtspflicht, sondern die Rolle als Datenlieferant für Kunden.

Ergänzt wird dies durch Verpackungs- und Recyclingnachweise im Rahmen der PPWR sowie durch strukturierte Transportinformationen im Kontext von eFTI.

Logistik wird damit nicht nur messbar, sondern prüfbar. Die Leistung besteht aus Transport plus belastbaren Informationen.

Ebene 3: Technologie wird Infrastruktur

Technologie war in der Logistik lange vor allem ein Effizienz- und Optimierungswerkzeug. Ab 2026 wird sie zunehmend zur Voraussetzung.

Der EU AI Act, der ab August 2026 greift, betrifft auch logistische Anwendungen, wenn KI etwa in der Schichtplanung, in Überwachungssystemen oder im Sicherheits- und Personalumfeld eingesetzt wird. In diesen Fällen stehen nicht Effizienzgewinne im Vordergrund, sondern Dokumentations- und Governance-Pflichten.

Der EU Data Act, anwendbar ab dem 12. September 2026, regelt, wer Zugriff auf Daten aus Maschinen, Fahrzeugen, Telematik- und Logistiksystemen hat. Das betrifft konkret WMS-, TMS- und Telematiklösungen sowie Sensorik in Lager und Transport.

Mit eFTI wird zudem der standardisierte, digitale Austausch von Transportinformationen regulatorisch vorbereitet.

Technologie wird damit Teil der logistischen Infrastruktur – vergleichbar mit Lager, Fahrzeugen oder Verkehrswegen.

Ebene 4: Verkehr und Netzwerke bekommen wieder Reibung

Die vierte Ebene betrifft Bewegung und Netzwerke. Nach Jahren der Optimierung und Glättung kommt wieder mehr Variabilität ins System.

Ab April 2026 ist das neue EU-Grenzsystem EES vollständig umgesetzt. Für Fahrer aus Drittstaaten bedeutet das neue Prozesse, inklusive biometrischer Erfassung, mit potenziellen Auswirkungen auf Grenzlaufzeiten.

Ab dem 1. Juli 2026 wird außerdem der Smart Tachograph Version 2 auch für Fahrzeuge zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen im grenzüberschreitenden Verkehr Pflicht. Das betrifft insbesondere KEP-, Express- und Sonderverkehre.

Im Straßengüterverkehr wirken parallel CO₂-abhängige Mautsysteme weiter. In anderen Ländern, etwa den Niederlanden, kommen ab Juli 2026 neue Lkw-Mauten hinzu.

In der Seefracht greifen ab dem 1. Januar 2026 neue Phasen der IMO-Effizienzregeln. Der Energy Efficiency Existing Ship Index (EEXI) bewertet die technische Effizienz bestehender Schiffe, während der Carbon Intensity Indicator (CII) jährlich misst, wie CO₂-intensiv Schiffe im realen Betrieb fahren. Für Logistiker und Verlader zeigt sich das vor allem in veränderten Laufzeiten, Fahrplänen und Netzwerken.

Ebene 5: Logistik wird strukturell strategisch

Aus den ersten vier Ebenen ergibt sich die fünfte fast zwangsläufig. Logistik beeinflusst ab 2026 stärker denn je:

  • den Marktzugang,
  • die Kostenstruktur,
  • die Reportingfähigkeit von Unternehmen,
  • und die Stabilität von Lieferketten.

Diese Rolle entsteht nicht aus einem neuen Selbstverständnis der Branche, sondern aus dem Zusammenspiel regulatorischer, technologischer und wirtschaftlicher Anforderungen.

Fazit: Eine neue Logik, kein Ausnahmezustand

Wenn man all das zusammenführt, ergibt sich ein klares Bild:

2026 ist kein Jahr einzelner Gesetze. Es ist das Jahr, in dem sich Kosten, Daten, Technologie, Verkehr und Regulierung neu miteinander verzahnen. Oder anders gesagt: 2026 macht Logistik nicht besser oder schlechter – sie macht sie anders.

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