In dieser Folge werfen wir einen nüchternen Blick auf das Thema alternative Antriebe im Straßengüterverkehr. Wir diskutieren, warum die Debatte rund um E-LKW und Diesel häufig zu schwarz-weiß geführt wird und warum diese Sichtweise der Realität nicht gerecht wird. Anhand aktueller Presseberichte, Zahlen und Praxisbeispiele ordnen wir ein, wo batterieelektrische LKW heute bereits sinnvoll einsetzbar sind – und wo eben nicht. Dabei geht es weniger um Ideologie, sondern um Wirtschaftlichkeit, Einsatzprofile und Routinen im Transportalltag. Ziel der Folge ist es, eine sachliche Grundlage für eigene Entscheidungen zu liefern.
- Warum E-LKW im Stückgut- und Begegnungsverkehr bereits wirtschaftlich funktionieren können
- Anschaffungs-, Maut- und Energiekosten: Wie sich die Total Cost of Ownership wirklich entwickeln
- Wo die Stärken des Diesel-LKW weiterhin klar überwiegen
- Welche Rolle feste Routen, Ladeinfrastruktur und Routine für den Einsatz von E-LKW spielen
- Ein Blick nach China: Was Zulassungszahlen und Entwicklungen über die Zukunft verraten
Am Ende bleibt festzuhalten: Es gibt kein pauschales Richtig oder Falsch bei der Frage E-LKW versus Diesel. Entscheidend ist immer der konkrete Case, das Einsatzszenario und die eigene Struktur. Wenn euch diese Einordnung geholfen hat, teilt die Folge gerne oder lasst uns Feedback da – wir hören uns in der nächsten Episode wieder.
E-LKW versus Diesel LKW – warum es keine einfache Antwort gibt
Die Diskussion E-LKW versus Diesel LKW wird aktuell so emotional geführt wie kaum ein anderes Thema in der Transportlogistik. In Politik, Presse und Social Media prallen häufig zwei Extreme aufeinander: Auf der einen Seite die Vorstellung, dass der Diesel-LKW kurzfristig komplett verschwinden müsse. Auf der anderen Seite die Überzeugung, dass batterieelektrische LKW im realen Betrieb niemals funktionieren können. Die Realität liegt – wie so oft in der Logistik – dazwischen.
Ein nüchterner Blick auf Zahlen, Einsatzprofile und Kosten zeigt: Es geht nicht um Ideologie, sondern um den konkreten Case.
Wo der E-LKW heute bereits funktionieren
In bestimmten Einsatzszenarien sind batterieelektrische LKW längst mehr als ein Pilotprojekt. Besonders im Stückgutverkehr, bei festen Linienverkehren und im Begegnungsverkehr zeigen sich klare Vorteile. Speditionen, die regelmäßig die gleichen Strecken fahren – etwa Nachtlinien zwischen festen Hubs – können Ladezeiten sauber in den Ablauf integrieren.
Ein entscheidender Faktor ist die Mautbefreiung für E-LKW, die aktuell bis mindestens März 2031 gilt. Je nach Einsatz kommen hier schnell rund 200 Euro pro Fahrzeug und Tag zusammen. Hochgerechnet auf ein Jahr kann das Einsparungen von rund 40.000 Euro bedeuten – ein massiver Hebel in der Kalkulation.
Hinzu kommen sinkende Batteriekosten, geringerer Wartungsaufwand und deutlich verbesserte Garantien. Hersteller bieten inzwischen Batteriegarantien von bis zu 700.000 oder sogar 1.000.000 Kilometern an. Damit nähern sich E-LKW in der Lebensdauer dem Diesel-LKW deutlich an.
Die Kostenseite: Total Cost of Ownership entscheidet
Beim Vergleich E-LKW versus Diesel LKW wird häufig auf den Anschaffungspreis reduziert. Und ja: Ein batterieelektrischer LKW kostet aktuell rund das Doppelte eines Diesel-LKW. Während ein moderner Diesel-LKW bei etwa 150.000 Euro liegt, bewegen sich E LKW eher bei 300.000 Euro.
Doch entscheidend ist nicht der Kaufpreis, sondern die Total Cost of Ownership (TCO). Hier spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Energiekosten pro 100 Kilometer
- Maut
- Wartung
- Abschreibung
- Einsatzdauer pro Tag
Ein E LKW verbraucht etwa 200 kWh auf 100 Kilometer. Je nach Strompreis ergeben sich massive Unterschiede. Wird der Strom über eine eigene PV-Anlage oder günstige Industrietarife bezogen, können die Kosten pro 100 Kilometer unter 10 Euro liegen. Ab etwa 40–50 Euro pro 100 Kilometer kippt der Vergleich zugunsten des Diesel-LKW. Darunter wird der E LKW wirtschaftlich hochattraktiv.
Wo der Diesel-LKW weiterhin klar im Vorteil ist
Trotz aller Fortschritte hat der Diesel-LKW weiterhin klare Stärken. Er ist hochflexibel, global einsetzbar und unabhängig von Ladeinfrastruktur. Gerade im Spotmarkt, bei wechselnden Routen oder im internationalen Verkehr spielt der Diesel seine Vorteile aus.
Speditionen, die heute nicht wissen, wo ihre Fahrzeuge in einer Woche eingesetzt werden, können Ladezeiten und Ladeorte kaum planen. Hier wird der E-LKW schnell zum Risiko. Auch bei Einsätzen im Dreischichtbetrieb oder auf Baustellen, wo mobile Tanklösungen eingesetzt werden, ist der Diesel aktuell unschlagbar.
Ein weiterer Punkt ist die bestehende Flotte. Viele Diesel-LKW sind bereits vollständig abgeschrieben und verursachen vergleichsweise geringe Fixkosten. Für Unternehmen ohne klare Nachfolgeregelung oder mit unsicherer Perspektive ist die Investition in neue Technologie häufig schwer zu rechtfertigen.
Infrastruktur und Routine als Schlüsselfaktoren
Der zentrale Unterschied zwischen E-LKW versus Diesel LKW liegt nicht in der Technik, sondern in der Planbarkeit. E LKW funktionieren dort besonders gut, wo:
- feste Routen bestehen
- Fahrzeuge regelmäßig zum Betriebshof zurückkehren
- Ladeinfrastruktur vorhanden oder integrierbar ist
- Kunden kooperativ sind und Ladepunkte bereitstellen
Hier entstehen neue Chancen für Kooperationen zwischen Verladern und Speditionen. Wenn ein Fahrzeug während der Entladung geladen werden kann, verbessert das den Business Case für beide Seiten. Voraussetzung ist jedoch eine stabile, planbare Struktur.
Blick nach China: ein Vorgeschmack auf die Entwicklung
Ein Blick nach China zeigt, wie schnell sich der Markt entwickeln kann. Dort stieg der Anteil batterieelektrischer LKW innerhalb kurzer Zeit von unter 10 Prozent auf über 20 Prozent der Neuzulassungen. Die Fahrzeuge sind technisch oft einfacher, aber deutlich günstiger – teilweise unter 100.000 Euro.
Auffällig ist: Wasserstoff und LNG verlieren dort massiv an Bedeutung. Der batterieelektrische Antrieb setzt sich durch, weil er energetisch effizienter ist und weniger Umwandlungsverluste verursacht.
Fazit: E-LKW versus Diesel LKW ist eine Rechenaufgabe
Die Frage E-LKW versus Diesel LKW lässt sich nicht pauschal beantworten. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um passend oder unpassend. Wer feste Routinen, planbare Strecken und Zugang zu günstiger Energie hat, kann mit E LKW signifikante Kostenvorteile erzielen. Wer maximale Flexibilität braucht, bleibt vorerst beim Diesel.
Die Logistik war schon immer ein Geschäft der nüchternen Kalkulation. Genau so sollte auch diese Entscheidung getroffen werden – faktenbasiert, casebezogen und ohne ideologische Scheuklappen.
